Leseprobe

Sie haben daran Interesse, bei einem der nächsten Bücher ein Probeleser zu werden? Wenn Sie diese Mühen nicht scheuen und es Ihnen Vergnügen bereiten würde, bewerben Sie sich einfach darum und begründen Sie, warum Sie der Meinung sind, dass gerade Sie dafür geeignet sind.

Ihre Bewerbung richten Sie bitte an
Probeleser@Monogramm-verlag.de

… Damit hatte er nun gar nicht gerechnet. In den drei Tagen der Observierung war es nachts völlig ruhig, niemand kam oder ging. Nun war er doch wieder froh, Sandra in die Beobachtungsstelle auf die Wiese geschickt zu haben. Jetzt musste er improvisieren. Irgendwo draußen würde er sich in einer dunklen Ecke verbergen müssen. Mit einem letzten Blick, so als ob er es in seinem Gedächtnis speichern wollte, sah er auf das Modell, riss sich endlich los und lief zum Eingang. Kurz davor stoppte er. Der Stick. Er rannte zu den Schreibtischen zurück. Der Kopiervorgang war noch nicht abgeschlossen. Warten war unmöglich, also zog er ihn ab und schloss den Dateimanager. Dann eilte er wieder zur großen Stahltür. Kurz bevor er im Türrahmen stand, vernahm er das Quietschen der Hallentür. Oh nein, da kam bereits jemand, er konnte nicht mehr hinaus. Er rannte wieder zurück und sah sich nach einem Versteck um. Die Halle war aber höchst ungünstig, um sich irgendwo in Luft aufzulösen. Da sah er die Tür zu der kleinen Teeküche. Dort huschte er hinein und presste

sich hinter die Tür. Zitternd begann er ganz bewusst ruhig zu atmen. Nur keine Geräusche machen, nicht verkrampfen. Einatmen, ausatmen, ganz langsam. Trotzdem drückte er den Stick in seiner Hand vor lauter Angst so fest zusammen, dass sich die Nägel in sein Fleisch bohrten.

«Timitri, hast du die Tür offen gelassen?», fragte der Professor seinen Begleiter, als sie über die Schwelle traten.

«Ganz bestimmt nicht!»

«Mmmh, komisch. Na, egal. Komm lass uns Feierabend machen. Die Pizza war köstlich, aber ich bin jetzt so voll und will ins Bett. Ich muss mich nur noch vom System abmelden. Geh du rüber und schalte den Nautilus in den Ruhemodus.»

Christoph konnte durch den kleinen Spalt zwischen Tür und Rahmen die zwei Leute erkennen. Jetzt wusste er auch,

woher er den Namen kannte. Die weißen Haare und der Vollbart waren unverkennbar. Prof. Dr. Robert Carl. Klar, ein Physiker der Firma.
Er hatte einmal kurz mit ihm bei einem Projekt vor Jahren zu tun gehabt.
Nachdem er aber in einer anderen Pyramide am Gelände arbeitete, hatte er ihn längst wieder vergessen. Fast hätte er gegen die Tür getreten:

«Der Wagen ist hinter die Halle gefahren. Kannst du mich hören?
Christoph?» Zwar war die Angst unbegründet, aber er befürchtete, dass die beiden die Stimme in seinem Ohr ebenfalls hören konnten. Die behandelten aber ein ganz anderes Thema.

«Timitri, hier zeigt er den Status neutral», rief der Professor quer durch die Halle und setzte hinzu: «Und was macht die Masse?» Sein Assistent hatte sich zu den Steuerpulten begeben. Um jetzt nicht noch einmal die

Kopfhörermikrofone benutzen zu müssen, rief er nun, um die Distanz zu überbrücken, ebenso laut zurück:

«Perfekt, die liegt bei 5,72334 Tonnen. Alle Systeme im Stand-by. Ich fahre die Magnete in Ruhestellung, initiiere Stromneutralität für die Erregerspulen, okay, alles im Ruhemodus.»

«Gut, Timitri, dann lass uns endlich gehen, es ist heute wieder verdammt spät geworden und morgen steht ein wichtiger Test an.»

Die beiden Wissenschaftler löschten noch die restlichen Lichter im Raum.
Erst jetzt fiel Christoph auf, dass in der Teeküche ebenfalls das Licht an war. Und noch viel schlimmer. Es war nun das einzige Licht in dieser großen Halle.

«Professor, gehen Sie ruhig schon einmal vor, ich mache nur noch das Licht in der Küche aus.»

So sollte es also enden. Was würde er sagen, wenn sie ihn in Gewahrsam nehmen würden? Er hatte diese Situation in seinem Plan völlig vergessen. Sie würden bestimmt den Wachdienst rufen, ihn verhören, ihn vor Raigarden schleppen. Allein bei dem Gedanken vermehrten sich erneut die Schweißperlen am ganzen Körper. Die Hand von Timitrie kam durch den Türrahmen und betätigte den Lichtschalter. Mit einem Schlag war es stockfinster. Der Professor hatte im Gang Licht gemacht, um seinem Assistenten ein sicheres Geleit nach draußen zu verschaffen. Dann fiel mit einem Rumms die große Stahltür zu und man konnte die Stahlbolzen hören, als sie den Eingang verriegelten.
Christoph wagte nicht, sich zu bewegen. Alles war schwarz, alles war ruhig. Seine Knie waren weich. Das war knapp. Er wollte nun ganz vorsichtig hinter der Tür hervorkommen.

«Christoph? Jetzt sag doch endlich was!»

Vor Schreck donnerte er mit dem Knie gegen die Tür, verkniff sich aber vor Angst, es könnte jemand hören, den Schmerzensschrei, krümmte sich leicht und fuhr auch noch mit der Stirn mit voller Wucht gegen die Tür. Gott, das auch noch. Er tastete nach dem Lichtschalter, fand ihn nach ein paar blinden Abtastungen der Wand und erhellte die kleine Teeküche wieder. Mit der anderen Hand hielt er immer noch seine Stirn und betrachtete nun seine Finger, um festzustellen, ob er blutete. Kein Blut! Aber ohne Beule würde das nicht abgehen. Er musste feststellen, dass er bei diesem Einsatz ordentlich Federn hatte lassen müssen. Nun nahm Christoph das Funkgerät vom Gürtel und flüsterte leise ins Mikrofon …